NSU
1000 TTS

Ab
20. Februar 1967 startete NSU die Produktion von vorerst 1000 TTS. Bis zu seiner
Produktionseinstellung im Jahre 1971 wurden vom TTS 2402 Stück gebaut. Der
Wagen war als Wettbewerbsfahrzeug ausgelegt und sollte den TT (damals mit 1100
cm3 und 55 PS) keinesfalls ersetzen.
Bereits
bei der Premiere des nicht gerade langsamen NSU Prinz 1000 wurde von vielen
Leuten der Wunsch nach einer sportlicheren Version dieses Typs geäussert. Motor
und Fahrwerk dieses Autos waren nämlich so gut gelungen, dass sich ein solcher
Gedanke geradezu aufdrängte. Dieser sportliche Prinz 1000 kam dann auch als TT
knapp zwei Jahre später auf den Markt und war auch 1967 noch in der Klasse
schneller Kleinwagen ein interessantes und preiswertes Auto gewesen. Rennen liessen
sich mit dem 1000 TT nicht gewinnen, da das serienmässige Saugrohr und der
Einfachvergaser, die bei Wettbewerben beibehalten werden mussten, einer grösseren
Leistungssteigerung recht frühe Grenzen setzten.
Beim
NSU TTS hatte man diese Grenzen beseitigt und fast alle Möglichkeiten
ausgenutzt, um aus dem NSU-Prinz 1000 ein chancenreiches Wettbewerbsauto zu
machen. Die Voraussetzungen hierzu waren vorhanden, denn in der Konzeption ist
der NSU mit seinem drehfähigen, quergestellten Vierzylindermotor eines der
modernsten Heckmotorautos gewesen, die zu der Zeit gebaut wurden.
Der
TTS wurde zunächst nur in alfarot II mit schwarzer Innenausstattung geliefert.
Später wurden gemäss Produktions-Stammbuch auch Fahrzeuge in targaorange und
auf Sonderwunsch aeroblaumetallic oder geminiblaumetallic mit einer wahlweisen
Innenausstattung in tobaccobraunem Kunstleder geliefert. Er war mit Sportstossdämpfern
von Boge, vorn und hinten negativem Sturz, wahlweise mit 13- oder 12-Zoll-Rädern
(4,5 Zoll Breite) zu haben. Mit ungefähr 7500 Mark lag der Preis nicht ganz so
günstig wie ursprünglich erwartet. Gegen Aufpreis sollte es eine Serie von
Extras geben: Ansaugtrichter und Flammrohre für die schärfere Version, 70
Liter Tank, zwei Getriebe-, verschiedene Hinterachsübersetzungen und eine
Differentialbremse (die im Gegensatz zur Sperre nicht homologiert werden musste).
Die
vom Strassenverkehrsamt abgenommene Strassenausführung leistete 70 PS bei 6150
min-1 und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h..
Die
Leistung von 70 PS erreicht der TTS durch folgende Umbauten: Spezialkolben
(Verdichtung 10,5:1), grössere Ventile, Spezialnockenwelle, zwei
Solex-Flachstromvergaser mit Spezialansaugkrümmer. Hinzu kamen natürlich die
Vergrösserung der Ein- und Auslasskanäle und sorgfältige Abstimmungsarbeiten.
Ein grossvolumiger Luftfilter dämpft das Ansauggeräusch auf zivile Werte, und
die Auspuffanlage war eine Modifikation der Serienausführung.
Als
Nenndrehzahl gab NSU 6150 RPM an, doch die maximale Drehzahl des Motors lag weit
höher. Und so hatte auch weder der Drehzahlmesser eine Markierung, noch standen
in der Betriebsanleitung irgendwelche Werte. Es wurde lediglich darauf
hingewiesen, dass die Lebensdauer des Motores erhöht werden könne, wenn man
ihn über längere Zeit nicht über 6500 Touren/min dreht.
Auf
der Saugseite des Motors wurden die Voraussetzungen für eine gute Füllung
durch zwei Horizontal-Doppel-Vergaser Solex 40 PHH geschaffen. Vier getrennte
Saugrohre, erweiterte Gaskanäle und grössere Einlassventile unterstützen
dieses Vorhaben. Eine Nockenwelle mit weiteren Öffnungswinkeln und grösserem
Hub erlaubt höhere Drehzahlen und eine bessere Füllung in diesen Bereichen.
Eine umfangreiche Luftfilteranlage und ein neu entwickelter Schalldämpfer mit
getrennter Rohrführung sorgten dafür, dass der NSU seine Leistung leise
entfaltete. Auch die Auslassventile wurden, dem grösseren Gasdurchsatz
entsprechend, etwas vergrössert.
Das
Innenleben des Motors wurde der höheren Leistung ebenfalls angepasst.
Geschmiedete Kolben, die ein Verdichtungsverhältnis von 10,5:1 ergeben, und
verstärkte Pleuel sollten nicht nur zu höherer Leistung, sondern auch zur
Langlebigkeit des Motors beitragen. Ein unter der vorderen Stossstange
montierter Ölkühler hielt die Öltemperatur in Grenzen. Für
Rennzwecke konnte man dem Motor ohne grosse Umstände weitere 15 PS entlocken. Für
die Wettbewerbsversion, die nicht für Strasse zugelassen war, konnte die
Leistung auf 85 PS angehoben werden. Lediglich eine geänderte Vergaserbestückung,
Ansaugtrichtern statt Luftfilter und Flammrohr statt Auspuffanlage waren nötig.
Der Umbausatz wurde, ebenso wie das Auto, vom Fliessband geliefert und war
besonders für jene NSU-Fahrer interessant, die an Berg- oder Rundstreckenrennen
teilnehmen wollten. Er umfasste zwei andere Vergaser und eine offene
Rennauspuffanlage. Der heisse Ofen hatte natürlich offene Vergaser mit vier
kurzen Ansaugtrichtern, durch die er die Luft einschlürfte. Die Vergaser mussten
umbestückt werden; der Lufttrichter von 30 auf 34 mm, die Hauptdüse von 115
auf 130 und die Luftkorrekturdüse von 165 auf 150. Für Rennzwecke waren andere
Zündkerzen zu verwenden (Bosch 310 T 17). NSU empfahl einen speziellen
Rennverteiler mit verschraubtem, genau justiertem Deckel, der bei Bosch bezogen
werden konnte.

Bild
.... Umbau mit Weber-Vergaseranlage
Bei
der Getriebeabstufung wurden die sportlichen Ambitionen, die man mit diesem Auto
hegt, berücksichtigt. Ausser dem Seriengetriebe war ein enger gestuftes
Sportgetriebe lieferbar. Die Anschlüsse in den II. und III. Gang sind dadurch
wesentlich besser, die Drehzahlsprünge geringer. Zusätzlich zum serienmässigen
Achsantrieb konnte man zwei weitere Achsantriebsübersetzungen bekommen, die
einmal eine längere (3,533:1) und einmal eine kürzere (4,231:1) Gesamtübersetzung
ergeben.
Weitere
Variationen waren durch die Wahl der Rad- bzw. Reifengrössen möglich.
Normalerweise wurde der Wagen mit Felgen 4,5x13 und Reifen der Grösse 135-13
ausgeliefert. Wahlweise war ausserdem zuerst die Grösse 155-12 lieferbar
gewesen, die ebenfalls auf 4,5 Zoll breiten Felgen montiert worden war. Später
gab es werksseitig nur noch 145-12 wie bei den anderen 1000er Typen. Das
Fahrwerk wurde in der Einstellung und der Dämpfung verändert. Die Räder
laufen mit neutralem (0 Grad) oder leicht negativem Sturz, während man an allen
übrigen NSU-Autos positive Sturzwinkel fand. Das Wagenheck kam dadurch etwas
tiefer, das zulässige Gesamtgewicht wurde um 65 kg reduziert. Für die Hinterräder
sind ausserdem spezielle Bremstrommeln erhältlich, die eine Spurverbreiterung
von ca. 46 mm ergaben.
Was
das Gewicht anbetraff, hatte NSU nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Mit
rund 700 kg Leergewicht (vollgetankt) war der NSU TTS etwas schwer geraten, doch
um auf das Homologationsgewicht damals von 650 kg zu kommen, musste nicht viel
ausgeräumt werden.
Karosserie
und Ausstattung
Den
NSU TTS gab es zuerst mit auffallend roter Lackierung und schwarzem Innenleben.
Diese Farbkombination steht dem kleinen Auto ausserordentlich, sie trug
ausserdem dazu bei, dass der Wagen überraschend gut respektiert wurde. Die
Verarbeitung machte einen sauberen Eindruck. In der Ausstattung entspracht der
TTS mit wenigen Ausnahmen dem normalen Prinz 1000 TT. Zu diesen Ausnahmen zählen
die sehr leicht ablesbaren, grossen Rundinstrumente für Geschwindigkeit und
Drehzahl, die direkt im Blickfeld des Fahrers untergebracht sind. Die
Frontscheibe des NSU TTS besteht aus Verbundglas, und auch das dreispeichige
Sportlenkrad zählten zu den erfreulichen Zutaten dieses Autos.
Alltagstauglichkeit
Mit
seiner guten Elastizität, seiner Drehzahlunempfindlichkeit und seinem sauberen
Motorlauf war der NSU TTS keineswegs zum reinen Wettbewerbsfahrzeug gestempelt,
sondern brachte alle Voraussetzungen mit, ein brauchbares und unproblematisches
Alltagsauto mit hervorragender Leistung abzugeben. Auch hinsichtlich der
Lebensdauer brauchte man keine Bedenken zu haben.
Die
Höchstgeschwindigkeit von 163 km/h war für ein so kleines Auto sehr
respektabel, zumal der Luftwiderstandsbeiwert dieser Karosserie nicht übermässig
günstig war.
Auch
die Fahreigenschaften sind mit dieser Fahrwerkseinstellung ausgezeichnet. Das
Fahrverhalten ist leicht untersteuernd und immer gut kontrollierbar. Bei Nässe
oder sandiger Fahrbahn konnte es vorkommen, dass der Wagen etwas stärker über
die Vorderräder wegschiebt. Dies liess sich aber leicht korrigieren, indem man
vorne den Torsionsstab entfernte, welcher eigentlich nur genau diese Funktion
erfüllen sollte, dass der Wagen Unter- und nicht Übersteuerte.
Ein
Ausbrechen des Hecks liess sich nur mit Gewalt oder Fahrfehlern provozieren aber
war mit der sehr exakten und leichtgängigen Lenkung gut auszumanövrieren.
Im
Fahrkomfort war der TTS durch die etwas straffere Dämpfung und den höheren
Luftdruck nur geringfügig schlechter als der normale TT. Die Schluckfähigkeit
der Federung war sogar bei kleinen Unebenheiten recht gut, nur bei grösseren Löchern
oder langen Wellen kam es zu Durchschlägen oder Schaukelbewegungen.
Mit einem
Neupreis von 7500 DM war der NSU TTS in eine Preisgruppe gerückt, wo es fürs
gleiche Geld bereits ausgewachsene Mittelklasselimousinen zu kaufen gab. Der TTS
zählte 1967 zu den kleinen, aber unerhört schnellen Spielzeugen, wie sie
bisher nur aus dem Ausland für teures Geld zu kaufen waren. Aussergewöhnliche
Fahrleistungen und relativ geringe Unterhaltskosten lassen sich kaum besser
vereinbaren, als bei einem solchen kleinen, aber leistungsstarken Auto.