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Sportlicher Kompaktwagen: NSU Prinz 4

1961 baute NSU den »Deutschen Kompaktwagen neuen Stils«, den NSU Prinz 4 (Jetzt mit arabischer Ziffer bezeichnet).
Der neue Prinz 4 stellte eine konsequente Weiterentwicklung und Ergänzung der NSU Prinz-Reihe dar, bei der die Konstrukteure bewährte Elemente beibehielten, im Bereich der Karosserie und der Ausstattung jedoch völlig neue Wege gingen. Die Karosserie des Prinz 4 wurde von Grund auf neu gestaltet, wobei mit
Erfolg angestrebt wurde, einen möglichst großen Innenraum für vier Erwachsene und ausreichenden Gepäckraum zu schaffen. In der Tat bot der Prinz 4 im Inneren Abmessungen, wie man sie damals bestenfalls im Bereich der Mittelklassewagen fand. Seine Form entsprach der damals gültigen Kompaktlinie; sie war von gediegener, moderner Eleganz. Große Glasflächen gaben dem Fahrer einen weiten Überblick und erleichterten ihm Fahrten im dichten Verkehr und Parkmanöver.
So gelang es, durch ökonomische Auslegung bei einer handlichen Gesamtfläche, viel Nutzraum mit hohem Komfort zu schaffen.

Auch der neue Prinz 4 bot eine Straßenlage, die die reichen Erfahrungen von NSU erkennen ließen. Der neue Wagen besaß exakten Geradeauslauf und sauberes Kurvenverhalten, nicht zuletzt dank einem Querstabilisator. Der Fahrkomfort wurde durch diverse Fahrwerkmaßnahmen gesteigert. Vier Schraubenfedern, vier langhubige hydraulische Stoßdämpfer und zusätzlich zwei »Prinzair-luftkissen« an den Hinterrädern sicherten gute Federung mit guter Dämpfung. Vom Sportprinz übernommen wurde der luftgekühlte 30 PS NSU Viertaktmotor mit obenliegender Nockenwelle, dessen Leistung, Robustheit und Langlebigkeit durch inzwischen 100.000 verkauften Exemplaren bekannt war. Bei dem günstigen Eigengewicht des NSU Prinz 4 von nur 565 kg ergab sich ein Leistungsgewicht von lediglich 18,8 kg/PS, ein guter Wert, der dem Wagen schönes Temperament (von 0 bis 80 km/h in 14,0 Sek.) und die stattliche Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h sicherte. Der Normverbrauch nach DIN 70030 betrug 5, 7 Liter/100
km. Ein besonderes Positivum war die ungewöhnlich hohe, offiziell bestätigte Zuladefähigkeit von 435 kg, die man in dieser Wagenklasse bislang vergeblich suchte und die man auch bei Mittelklassewagen nur höchst selten damals antraf.
Viel Arbeit steckten die NSU Konstrukteure in die Ausstattung des Prinz 4, wobei sie sich bemühten, im Inneren des Wagens eine behagliche Wohnlichkeit zu schaffen. Sitze und Ausstattung waren nicht nur bequem, sondern auch geschmackvoll gestaltet. Die Vorderlehnen waren weitgehend verstellbar. Das Armaturenbrett war praktisch, übersichtlich und hübsch aufgeteilt. Erfreulich war auch die serienmäßige Ausstattung -ohne Aufpreis -mit Klimaanlage, Schwenkfenstern, Lichthupe und Lenkschloss. Für einen geringen Mehrpreis stattete NSU den Prinz 4 gleich im Werk mit einer Spezialausstattung aus, die u.a. Scheibenwaschanlage, elektrische Zeituhr, Benzinuhr, Kontrolle für den Startvergaser, Lenkradsignalring, verstärkte Hupe und Haltegriff am Armaturenbrett umfasste.
Durch geschickte Unterbringung des Treibstofftanks (mit 37 Litern Inhalt) gelang es, einen großen glatt flächigen 250-Liter-Kofferraum zu schaffen, gross genug, um auch umfangreiches Urlaubsgepäck aufzunehmen. 

Trotz mancher Tendenzen in der Kraftfahrzeugindustrie, größere und damit teurere Wagen zu bauen, entschied sich NSU dafür, auch mit dem neuen Prinz 4 in einer Klasse zu bleiben, die dem Fahrer, bei hoher Fahrleistung und erfreulicher Geräumigkeit, geringe Unterhalts- und Verbrauchskosten sicherten. Mit seiner
Wendigkeit und seiner Spitze von 120 km/h führte der neue Prinz 4 nicht nur die Produktionszahlen steil nach oben, sondern machte sich bald auch Freunde im Ausland. In Italien, in erster Linie, sonnte er sich anschließend ein gutes Jahrzehnt in der Gunst des Publikums.
Mit dem Erscheinen des Prinz 4 konnte man in Neckarsulm recht zufrieden in die Zukunft blicken. Die Stagnation der Jahre 1960 und 1961 war Überwunden; der Umsatz zeigte in den folgenden zwei Jahren einen erfreulichen Aufwärtstrend. NSU war stolz darauf, in 15 Nachkriegsjahren ohne Unterbrechung den
Aktionären Dividende gezahlt zu haben. 1963 gab das Unternehmen eine Dividende von 10% aus dem auf mittlerweile 48 Millionen DM angewachsenen Grundkapital. Doch auch der Jahresumsatz von 1963 hielt dieses Tempo mit. Er steigerte sich gegenüber dem Vorjahr um 22% auf 321 Millionen, wovon allein 266
Millionen auf den Automobilumsatz fielen. Auch die NSU Export Quote von 52% bewegte sich 1963 in der Nähe des PKW Industrie-Durchschnitts. So lieferte man nach Chile, Uruguay und Irland Automobile in zerlegtem Zustand zur Komplettierung und Montage. Nach Ägypten konnte NSU weiterhin Bauteile des Prinz 4 und den Motor für die nationale Fertigung des »Ramses-Wagen« liefern.


Technische Daten

NSU Prinz 4 (S) (L)
Zweizylinder Vertikal- Twin, Viertaktmotor, Luftkühlung durch Gebläse
Bohrung x Hub 76 x 66 mm
Hubraum 598 c cm
Leistung 30 PS bei 5600 U/min
Drehmoment 4,5 mkg bei 3250 U/min  

Verdichtung 7 ,5 : 1
Vergaser Solex 34 P CI
Ventile V-förmig hängend, obenliegende Nockenwelle

Nockenwelle angetrieben durch 2 Schubstangen
Druckumlaufschmierung 2, 75 Liter Öl
Elektrische Dynastartanlage, 12 Volt/32 Ah, Batteriezündung
Kraftübertragung Hecktriebblock, Motor hinter der Hinterachse
Motor mit Getriebe und Differential in einem Gehäuse
Kupplung Einscheiben- Trockenkupplung, mechanisch betätigt
Getriebe 4 Gang-Vollsynchrongetriebe
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie
Aufhängung vorne: Einzelradaufhängung an Doppel-Querlenker, Schraubenfedern
Aufhängung hinten: Einzelradaufhängung, Pendelachse, Querlenker, Schraubenfedern, Luftkissen
Zahnstangenlenkung, 3 Lenkradumdrehungen
Hydraulische Vierrad- Trommelbremsen
ab 11/1964 auf Wunsch: Scheibenbremsen vorn
Räder bis 11/64: Felgen: 3,00 x 12, Reifen: 4,40- 12
ab 11/64: Felgen: 4,00 x 12, Reifen: 5,00- 12
ab 1969: Reifen: 5,65/135 -12
Länge 3.440 mm  Breite 1.490 mm  Höhe 1.360 mm
Radstand: Spur 2040 mm // 1.230 / 1.200 mm ab 1969: 1.237 / 1.209 mm
Gewicht/zul.Gesamtgewicht 570 kg I 1.000 kg
Spitze / Verbrauch 120 km/h I 6,2 Liter
Bauzeit 1961 -1973
Stückzahl 625.032 Exemplare
Neupreis 1961: DM 4.686.--(Prinz4S) 1962: DM 4.846.--(Prinz4S) 1962: DM 4.586.--(S)
1965: DM 4.586.--(Prinz4S) 1965: DM 4.670.--(Prinz4L) 1972: DM 5.200.--(L)
Der NSU Prinz 4, eine konsequente Weiterentwicklung der Prinz-Baureihe, avancierte
zum erfolgreichsten Kleinwagen in Deutschland. Mit ständig verbesserter Technik
und Ausstattung wurde er 13 Jahre lang produziert. Hauptexportland war Italien, wo
er es zum erfolgreichsten Fahrzeug aller importierten Automobile brachte.

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