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Testbericht aus Auto Motor & Sport

Der etwas Ernüchternde Testbericht aus Auto Motor & Sport  Heft 17/1960  

Der Sport Prinz hat zwar ein hübsches Kleid, ist aber ansonsten ein NSU Prinz. Wir haben vor gut einem Jahr einen Prinz getestet, und das kleine Auto hat uns wegen seines munteren Temperaments und seiner Handlichkeit Spaß gemacht. Aber es fehlt ein bisschen die feinere Lebensart, die Laufruhe, die Unauffälligkeit. Das passt beim normalen Prinz zur äußeren Erscheinung. Beim Sport Prinz ernüchtert es. Der luftgekühlte 600 Kubikzentimeter große Parallel-Zweizylindermotor mit oben liegender Nockenwelle ist ein recht hausbackenes Stück. Trotz sehr weicher Aufhängung, die notwendig war, um ihn einigermaßen zu bändigen, hört und spürt man ihn ständig rumoren, er ist wie ein ehrlicher alter Knecht, der nicht arbeiten kann, ohne zu fluchen. Wie schön ist doch ein Vierzylinder, wenn man ihn besitzen tut! Das Temperament des Sport Prinz kann sich dennoch sehen lassen. Man ist mit ihm normalen Mittelklassewagen gewachsen, ein geschickter Sport Prinz-fahrer wird vielen von ihnen sogar davonlaufen können. Die vom Werk angegebene Höchstgeschwindigkeit von 130 krn/h erreichte unser Testwagen allerdings bei weitem nicht, und wir möchten beinahe annehmen, dass sie unrealistisch ist. Der Einstieg bedarf für Menschen mit langen Gliedmaßen einiger Übung, wenn sie sich nicht stoßen wollen.
Ebensogut wie die Raumausnutzung ist die Sicht. Das stark geneigte Heckfenster ergibt nach hinten durchschnittliche Sehmöglichkeiten, nach vorn und zur Seite aber sieht man in kaum einem Auto besser als im Sport Prinz. Wer von diesem äußerlich sehr ansprechenden Fahrzeug im Fahren etwas erwartet wie einen Renault Floride oder gar einen Abarth 850, sieht sich enttäuscht. In der schönen Schale sitzt ein rauer Kern; man bekommt nur in Ausstattung und Fahrleistung, nicht in der Fahrkultur den Gegenwert für den 6000-Mark-Preis.